Titelbild Auslegung von Druckregelventilen

Auslegung von Druckregelventilen

Druckregelventile für Gase

 

Ermittlung des Kv-Wertes


Zur Auslegung bzw. vor Auswahl eines Ventils wird zunächst aus den Betriebsdaten, unter denen das Ventil arbeiten soll, der Kv - Wert errechnet.

Bei unterkritischem Druckgefälle, d.h. wenn

Formel für unterkritisches Druckgefälle

nach Formel

Formel zur Kv-Wert Berechnung bei unterkritischem Druckgefälle

Bei überkritischem Druckgefälle, d.h. wenn

Formel für überkritisches Druckgefälle

nach Formel

Formel zur Kv-Wert Berechnung bei überkritischem Druckgefälle

Kv Durchflusskoeffizient m³/h
QN Volumendurchfluss im Normalzustand m³/h
Q1 Volumendurchfluss vor dem Ventil m³/h
Q2 Volumendurchfluss hinter dem Ventil m³/h
pN Dichte im Normalzustand kg/m³
Δp Druckdifferenz (p1 - p2) bar
p1 Eintrittsdruck, Vordruck (abs.) bar
p2 Austrittsdruck, Hinterdruck (abs.) bar
t1 Eintrittstemperatur °C
t2 Austrittstemperatur °C
w1 Geschwindigkeit vor dem Ventil m/s
w2 Geschwindigkeit hinter dem Ventil m/s
d1 Leitungsdurchmesser vor dem Ventil mm
d2 Leitungsdurchmesser hinter dem Ventil mm


Beispiel:
Gesucht wird ein Druckminderventil aus Edelstahl für QN max. 1200 m³/h CO2, Betriebstemperatur 20 °C, Dichte 2 kg/m³, Vordruck 10-12 bar Überdruck, zu regelnder Hinterdruck 7 bar Überdruck. Das Druckgefälle ist unterkritisch, denn es ist

Formel für unterkritisches Druckgefälle, Beispiel 4

damit ist

Formel zur Kv-Wert Berechnung Beispiel 4

Den aus den Betriebsdaten errechneten Kv - Wert versehen wir mit einem Zuschlag von 30 % und erhalten damit den Kvs - Wert, den das auszuwählende Ventil mindestens haben sollte.

Kvs - Wert ≥ 1,3 Kv - Wert = 1,3 x 11,54 = 15 m³/h

 

Bestimmung der Nennweite


Um Druckverluste und Betriebsgeräusche niedrig zu halten, sollten bestimmte Strömungsgeschwindigkeiten in den Rohrleitungen nicht überschritten werden. Falls keine planerischen Vorgaben bestehen, empfehlen wir

» bis 10 mbar 2 m/s
» bis 100 mbar 4 m/s
» bis 1 bar 10 m/s
» bis 10 bar 20 m/s
» über 10 bar 40 m/s


Diese groben Richtwerte gelten für Leitungsdurchmesser ab DN 80. Bei kleineren Nennweiten sollten geringere Strömungsgeschwindigkeiten angesetzt werden.


Zur Ermittlung der Strömungsgeschwindigkeit wird der Volumendurchfluss bei Betriebsbedingungen benötigt. Er kann wie folgt errechnet werden:

Formel zur Errechnung des Volumendurchfluss

In unserem Beispiel sind danach die Volumendurchflüsse vor und hinter dem Ventil:

Formel zur Errechnung des Volumendurchflusses vor dem Ventil                    Formel zur Errechnung des Volumendurchflusses hinter dem Ventil

Der Leitungsdurchmesser kann wie folgt berechnet werden:

Formel zur Errechnung des Leitungsdurchmessers

Wenn in unserem Beispiel nur maximale Strömungsgeschwindigkeiten von 20 m/s vor und 15 m/s hinter dem Ventil vom Anlagenplaner zugelassen werden, sind die erforderlichen Leitungsdurchmesser:

Formel zur Errechnung des Leitungsdurchmessers vor dem Ventil im Beispiel 4                    Formel zur Errechnung des Leitungsdurchmessers hinter dem Ventil im Beispiel 4

Wir würden demzufolge vor dem Ventil die Rohrleitung DN 50 und hinter dem Ventil DN 65 empfehlen.

Bei vorgegebener Nennweite kann die Strömungsgeschwindigkeit wie folgt berechnet werden

Formel zur Errechnung der Strömungsgeschwindigkeit


In unserem Beispiel hätten wir dann die Strömungsgeschwindigkeiten

Formel zur Errechnung der Strömungsgeschwindigkeit vor dem Ventil im Beispiel 4                    Formel zur Errechnung der Strömungsgeschwindigkeit hinter dem Ventil im Beispiel 4

Die Nennweite des Regelventils kann unter bestimmten Betriebsbedingungen eine bis zwei Stufen unter der Nennweite der Rohrleitung vor dem Ventil liegen. Hinter dem Ventil ist die Leitung möglicherweise - der Strömungsgeschwindigkeit entsprechend - um mehrere Stufen erweitert auszuführen, was insbesondere bei den mit Steuerleitung arbeitenden Ventilen gilt.

 

Auswahl eines geeigneten Ventils


Unsere Auswahltabellen und Datenblätter führen Sie zu den technischen Daten der MANKENBERG-Ventile.
Der Kvs - Wert des ausgewählten Ventils sollte dem errechneten und mit den erforderlichen Zuschlägen versehenen Kv - Wert entsprechen. Die meisten Ventile arbeiten am besten im Bereich von 10 bis 70 % ihres Kvs - Wertes, kleine nicht enlastete Ventile – wie z.B. die Druckminderer DM 502, 505, 506, 510, 762 und 765 – arbeiten auch bei kleinsten Durchsätzen noch zufriedenstellend.

Wählen Sie den Einstellbereich so, dass der gewünschte Sollwert möglichst an der oberen Grenze liegt. Nehmen Sie z.B. bei 2,3 bar zu regelndem Druck den Einstellbereich 0,8-2,5 bar und nicht den Einstellbereich 2-5 bar, bei dem die betriebsabhängigen Regelabweichungen wesentlich höher wären. Wenn in Sonderfällen der standardmäßige Einstellbereich nicht weit genug ist, kann bei niedriger Ventilauslastung und geringeren Ansprüchen an die Regelgenauigkeit der Einstellbereich unterschritten werden. Dann kann z.B. ein Druckminderer mit dem Einstellbereich 0,8-2,5 bar auch bei 0,5 bar noch zufriedenstellend arbeiten.

Wählen Sie die Werkstoffe den betrieblichen Anforderungen entsprechend und mit Hilfe der Beständigkeitstabelle aus. Bei toxischen oder feuergefährlichen Fluids muss eventuell eine geschlossene Federhaube – möglicherweise mit Stellschraubenabdichtung - eingesetzt und ein Leckleitungsanschluß (Muffe an der Federhaube) vorgesehen werden, damit bei einem Defekt am Steuerteil das austretende Fluid abgeführt werden kann.

Kommen wir zurück zu unserem Beispiel:
Anhand der Betriebsdaten ermittelten wir, dass der Kvs - Wert mindestens 15 m³/h sein sollte. Nach unserer Auswahltabelle stehen hierfür mehrere Ventilbaureihen zur Verfügung. Wir entscheiden uns für den Druckminderer DM 652 DN 50, Kvs - Wert 18 m³/h, Einstellbereich 4–8 bar. Dieses Ventil besteht standardmäßig aus Werkstoffen, die sehr gut für den Einsatzfall geeignet sind. Außerdem zeichnet es sich durch hohe Regelgüte, geringes Gewicht, gute Oberflächenqualität und einen für Edelstahlventile äußerst günstigen Preis aus.

Noch ein Beispiel:
Gesucht wird ein Überströmventil, das 2000 m³/h 60°C warme Luft bei 4 bar in die Atmosphäre abblasen kann.

Das Druckgefälle ist überkritisch, denn es ist

Formel für überkritisches Druckgefälle, Beispiel 5

damit ist

Formel zur Kv-Wert Berechnung bei überkritischem Druckgefälle in Beispiel 5

Den aus den Betriebsdaten errechneten Kv - Wert versehen wir mit einem Zuschlag von 30 % und erhalten damit den Kvs - Wert, den das auszuwählende Ventil mindestens haben sollte.

Kvs - Wert ≥ 1,3 x Kv - Wert = 1,3 x 32,3 = 42 m³/h

Der Volumendurchfluss unter Betriebsbedingungen ist

Formel zur Errechnung des Volumendurchflusses in Beispiel 5

und danach bei einer maximal zugelassenen Strömungsgeschwindigkeit von 20 m/s der Leitungsdurchmesser mindestens

 

Formel zur Errechnung des Leitungsdurchmessers im Beispiel 5

Anhand der errechneten Daten und unter Berücksichtigung der Eigenschaften des Mediums entscheiden wir uns für MANKENBERG's Überströmventil UV 4.1 DN 100, Kvs - Wert 100 m³/h, Einstellbereich 2-5 bar, ein relativ preisgünstiges und regelgenaues Ventil, das für den Anwendungsfall sehr gut geeignet ist.

 

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